Anula……………

14. November 2008

einfach riesig ,die Kleine Der erste Gedanke der mir kam war,……. da gehst du nicht rauf! Man stelle sich vor, eine Bretterbude, durch die das Tageslicht fällt, so lose sind die Bretter zusammengenagelt, auf Pfählen die auch nicht gerade stabil und vertrauenerweckend aussehen gebaut, oder besser zusammengeschustert, ca. vier Meter über der Brandung, die nicht nur sanft auf die darunter liegenden Felsen gischtet. Ich als 186cm und fast 90 kg schwerer Deutscher, soll mich darauf begeben um Batiken oder Schnitzereien zu begutachten????? Aber wie schon häufig gesagt, man soll nie nie sagen. Es war noch früh am Morgen und mein erster Einkauf, ( Sarong, Hemd und Lederlatschen )sollte sein, denn den Tipp,morgens ist es am preiswertesten wenn man handelt, kam von Freunden , die schon hier waren. Man sagte mir das erste Geschäft MUSS getätigt werden, sonst ist der ganze Tag mit Unglück behaftet. Also betrat ich zögernd und vorsichtig die Planken dieses Gebäudes. Dass die Baubehörden so etwas überhaupt genehmigen………. ! Die Ausstellungshalle, ca. 5m im Quadrat, barg aber Schätze von unglaublicher Farbigkeit. Masken in vielen Formen, Buddhafiguren in verschiedenen Holzarten, hervorragend geschnitzt und über allem hingen Batiken, Sarongs , Hemden, Hosen und Kleider an der Decke, die , welch Wunder regendicht war. Im hinteren Bereich standen zwei alte Singer- Nähmaschinen und auf der einen Seite verdeckte ein etwas schmuddeliger Vorhang einen Raum, der nicht gerade groß sein konnte, denn die Seitenmaße dieser Konstruktion waren von außen betrachtet, doch schon mit dem Showroom zu Ende. Oder ?? Mein etwas zaghaftes „ Hello „ brachte Bewegung und Geräusche aus diesem eigentlich nicht mehr vorhandenen Raum. Der Vorhang bewegte sich und aus den hinteren Gefilden schälte sich eine selbst für Singhalesen winzige Person durch den Vorhang, die anscheinend nur aus pechschwarzem Haar bestand. Bis zu den Beinen fiel es vorn und hinten herab. Mit einer energischen Geste warf sie diese Mähne nach hinten und wieder , fast wie bei jedem Einheimischen fielen mir die überweißen Zähne auf. Zwei dunkle Augen betrachteten mich abschätzend aber freundlich und mit der Stimme eines Opernbasses wünschte sie mir ein good morning Sir. Beim zweiten Hinsehen sah sie eher nach einer Roma denn einer Srilankerin aus.“ You want a tea ??““ Danke yes „war meine Antwort und schwupps war sie wieder hinter dem Vorhang verschwunden. Nun begann ein Klappern und Rascheln, unterbrochen von tiefem, guturalem Geplapper. Selbstgespräche ?? Weit gefehlt, der Vorhang lüftete sich und was ich dann sah, verschlug mir den Atem. Ein Hüne für dortige  Verhältnisse schälte sich durch den Vorhang, tiefbraun, muskelbepackt, haariger Brust und einem Gesicht wie aus einem Hollywoodstreifen, baute sich vor mir auf. Bildschön, ebenmäßig und natürlich mit strahlend weißen Zähnen , hielt mir seine Pranke hin….“Guten Tag, willkommen „. Ich muss einen Gesichtsausdruck gehabt haben der ziemlich bescheuert war, denn er lachte laut auf und in englisch sagte er “thats all what I can speak in german language „ Er war der Ehemann der Bassistin , wie sich später herausstellte, die jetzt mit energischer Stimme etwas rief. Er verschwand mit einem , sorry,wieder hinter dem Vorhang und kam nach einigen Minuten mit Gläsern und einem Teller mit braunen wie Bonbon aussehenden Stücken zurück. Hinter ihm die Kleine mit einer dampfenden Silberkanne. Dann wurde es wieder lebendig hinter dem Vorhang und nacheinander kamen erst ein kleines Mädchen , dann zwei Buben , alle im Alter zwischen fünf und acht Jahren aus den hinteren Gefilden. Zu guter letzt noch ein ca. zwanzigjähriger Mann, klapperdürr, bekleidet nur mit einem Sarong, genau wie der Hüne , aber mit genauso weißem Gebiss , denn alle waren unentwegt am lächeln. Er brachte zwei Stühle herein, kaum zu glauben wo die da hinten noch gestanden haben könnten. „Take a seat please“. Na ob mich der Stuhl trug……, tat er.Nachdem mir der Tee gereicht wurde, heiß und sehr, sehr süß durch diese braunen Stücke, die Jaggery genannt wurden, bombardierte man mich mit Fragen , woher ich komme, wie lange ich bleibe, wo ich wohne, wie alt ich bin. Es nahm mit der Fragerei kein Ende, alle schnatterten  durcheinander. Bis ich auf die Idee kam Gegenfragen zu stellen. Plötzlich veränderte sich der Gesichtsausdruck der Frau, eine tieftraurige Mimik, in sich zusammensinkend, die Hände im Schoss, fing sie an mit dieser tiefen Stimme ihr armseliges Leben vor mir auszubreiten ! Ihr vorheriger Laden war beim letzten Monsun zusammengebrochen, die Eltern seien krank, die Saison ist schlecht, ihren Schmuck musste sie versetzten, zwei der Kinder hätten keine Schuluniform und  die Montessorischule die zusätzlich zur normalen Schule von den Kindern besucht wird, ist so teuer geworden. Die beiden Herren saßen jetzt mit geschlossenen Mündern und traurigen Gesichtern und hörten , genau wie ich,  diesen herzerweichenden  Geschichten zu. Mit meinem Bedauern und der Zusage etwas kaufen zu wollen, änderte sich dieses Schauspiel aber in Sekundenschnelle wieder. Alles strahlte, die Zähne kamen wieder zum Vorschein und bei der Nachfrage, an was ich denn da dachte zu kaufen, war kein trüber Gesichtsausdruck  zu sehen. Als erstes bekam ich Sarongs angepasst,  Wickelröcke für Männer, die hatte ich ja schon an den beiden Herren gesehen, Ich stieg in einen dieser bunten Dinger hinein. Mittlerweile schwitzte ich schon wie ein Schwerarbeiter, denn  die morgendliche Brise hatte sich verflüchtigt und  die Sonne knallte unbarmherzig auf die Hütte. Dazu das probieren  der Kleidungsstücke, es ließ mir das Wasser nur so den Rücken herunterlaufen. Leider waren die Röcke viel zu eng, dazu noch meine Hose darunter ……,“ take off your Trowser“  „no no“ „yes yes, no problem“  sie nestelte an meinem Gürtel und da stand ich Weißfisch nun  in Unterhose. Alles lächelte verständnisvoll, warum auch immer und brachte immer neue Sarongs, doch alle zu klein.  „ No Problem wie will make it for you to use „ Schwupps hatte sie ein Maßband zur Hand und versuchte mit ihren dünnen kurzen Armen um meine Taille zu greifen. Ihr Mann kam zur Hilfe und  dann nahmen sie beide Maß. Nachdem dies geschehen war, mit viel Gelächter und leichtem Geschubse, konnte ich meine Hose wieder anziehen, alles war so natürlich und unkompliziert . Nun musste ich mir noch die Qualität aussuchen . Es gab Fabriksarongs und Handbatik Sarongs, aus Seide genauso wie aus Baumwolle, die natürlich viel schöner und einmaliger waren, als die maschinell gewebt bedruckten,  denn wie der Name schon sagt, Handbatik, eine aufwändige Sache , aber dazu später mehr.  Ich zeigte auf einen grünen Sarong , der im unteren Bereich  mit Elefanten bemalt war. „No Problem“  war die lakonische Antwort,  in zwei Tagen ist er fertig !  Ha dachte ich, wie das wohl zu schaffen ist. Dazu aber noch ein Hemd ! Wieder musste ich mein Hemd ausziehen und wieder ging die Messerei los, diesmal  bemaß mich aber der Herr des Hauses, weil die Frau wirklich zu winzig war um auch nur an meine Schultern zu kommen. Der Dünne saß die ganze Zeit auf dem Boden, mit verklärtem Gesicht , etwas abwesend und leicht mit dem Oberkörper schaukelnd. Komischer Kauz war mein Gedanke. Wenn ich seinen Blick einfing, waren sofort die Zähne wieder sichtbar. Na ja , vielleicht verkatert????  Egal, Die Maße waren genommen und nun ging es wieder um die Farbe.  Weiß wollte ich, Stoffbahnen wurden gebracht aus verschiedenen Materialien. Ich entschied mich für einen Batist aus Baumwolle, sehr leicht und fast durchsichtig. Man schwatzte mir dann noch einen zweiten Sarong auf und ein schon fertiges Hemd, das ich gleich anzog. Nun musste ja auch noch der Preis ausgehandelt werden. Nachdem auch dieses geregelt war, ich war der Meinung ein Schnäppchen gemacht zu haben, fing der Hüne mit dem  Traumbody an zu reden. Er bot mir an, eine Maske für mich zu schnitzen. Ich vertröstete ihn aber auf den übernächsten Tag, wenn meine Klamotten fertig sein würden. Zwei Tage später. Wieder am frühen Morgen,  waren die Sarongs wirklich fertig und……. passten !! Anula war happy, „Nice, beautifull, you look great “ waren nur einige ihrer Schmeicheleien  und ich ? Ich kam mir vor wie ein Elefant im Rock. Zumindest war es luftig. Zu luftig, denn mir rutschte dieses zwar schöne, aber ungewohnte Kleidungsstück immer herunter und ich stand da in Badehose, die ich schon aus Sicherheitsgründen angezogen hatte.  Mit ihren behänden kleinen Händen fummelte sie mir vor dem Bauch an diesem Tuch herum und versuchte mir zu erklären, wie ich es sicher knoten musste. Es gab zwei Wege dieses Ding zum halten zu bringen. Einfach einen Knoten machen, dann sah der Sarong aber ziemlich schief und unpassend aus, oder die einheimische Variante. Anula rief den Hünen Baba, so sein Name und er nahm es in die Hand , mir die traditionelle Weise des Sarongbindens zu zeigen. Man nehme beide Enden des Tuches in je eine Hand, schlage es auf jeder Seite nach innen, sodass man die beiden äußeren Rockteile vor dem Bauch hat und schlug dann einen  speziellen Knoten, der nach einigen Testversuchen auch hielt und obendrein noch einen Zipfel übrig ließ, den man zur Not als Geldbeutel benutzen konnte. Trotz Bewegungen wie  bücken, gehen oder sogar schnelleres laufen, konnten ihn nicht so ohne weiteres öffnen. Außerdem wurde ich durch praktische Anwendung  Babas noch eingewiesen dieses Kleidungsstück als Badehose zu nutzen……..eine etwas pikante Sache von einem Mann die praktische Anwendung zu erlernen, denn dazu musste er mir in den Schritt gehen, alles zurechtrücken und den Sarong von  hinten nach vorne durch die Schenkel ziehen und über dem Knoten so einzustecken dass es aussah wie eine Pluderhose aus dem letzten Jahrhundert.

Lieselene……..

13. Juli 2008

schlank, ziemlich blau, mit leichten Abschürfungen, so lag sie am Strand, von den Ausläufern der Brandung umspült. Ihren Namen hatte sie von Anulas Bruder , der wiederum hatte ihn von einer Touristin, mit der er wohl ein kleines Techtelmechtelchen hatte geliehen und ihn seiner Lebensgefährtin angedeihen lassen. Lebensgefährtin, na ja, Abschnittsgefährtin! Sie wurden bei ihm nie älter als höchstens zehn Jahre !!! Dann waren sie auf, zerschunden, meschand, einfach hinüber! Kein Wunder, sie mussten auch einiges aushalten, Abends musste sie , egal bei welchem Wetter, raus in die manchmal vier Meter hohen Brandungswellen. Geschubst, gestoßen, über den Sand geschliffen, zu zweit besprangen sie sie, manchmal auch zu dritt, dabei wirkte sie so zerbrechlich, schlank. Sie nahm es mit Gelassenheit, Routine. Ihre Ausleger waren geflickt und nur mit Sisalstricken zusammengebunden. Der kleine Mast aus einem rohen, grob gehobeltem undefinierbarem Holz hielt einen Fetzen, Segel konnte man es nicht nennen, aus Kattun oder ähnlichem Stoff.. Beladen mit Netzen, Haken und einer Kerosinlampe, wiederholte sich dieser Vorgang fast jeden Abend. Sunil, so hieß der Bruder Anluas, schob zerrte den kleinen Nachen in die Brandung, sprang in diese Nussschale, die Helfer hinterher, alle eine Ganjakippe zwischen den Lippen, oder wenn das Geld knapp war eben nur eine Bethelnuß kauend  und schossen über die brüllende Brandungswelle hinaus auf ’s Meer. Vor dem Morgengrauen würden sie nicht wieder an Land sein. Heute war ein Podaiday, Vollmondnacht und sie konnte am Strand liegen und sich von der letzten Fischfangtour erholen. Wir saßen  dann  auf ihren Auslegern und beobachteten den Sonnenuntergang. Sunil mit einer Flasche Arrak, wir mit Three Coins, ( Bier )  und einem Glas, in dem der schwarzgebrannte Fusel mit dem Bier gemischt wurde und genossen den Abend . Hierbei ging das Glas reihum Bei meinem nächsten Besuch war Liselene nicht mehr da und Sunil, so hieß es, sei nach Colombo gefahren und hatte sich bei einer Fischfabrik Arbeit gesucht.

Marilyn, oder alles was brennt, ist gut für Wunden

13. Juli 2008

Das Blue Coral war  1977 noch eines der puren Luxushotels.  Außen unscheinbar, Beton  und kahl mit einem winzigen Namensschild am Eingang. Durch einen Gang mit zwei kleinen Schmuckläden links und rechts betraten wir die Rezeption. Sehr geschmackvoll mit riesigen Batiken und Masken an den Wänden. Beim Empfang wurden wir begrüßt wie Könige und zwar von einer Königin, namens Sheerane. Sie war traumhaft schön, mit einer Stimme wie Samt, einem Sari aus  dunkelgrüner Seide, abgesetzt mit Goldfäden. Wir sollten noch einiges mit ihr erleben. Sheerane beorderte zwei  Bedienstete unser Gepäck auf das Zimmer zu befördern. Diese Traumgestalt verabschiedete uns mit einem unvergleichlichen Lächeln , wünschte uns einen unvergesslichen Aufenthalt und  mit dem Hinweis uns jederzeit zur Verfügung zu stehen. Es war alles unwirklich, über plätschernde Bäche, durch aus   Bambus überbauten Pavillons , indirekter Beleuchtung , alles ausgestattet mit antiken Möbeln, geschmackvollen Dekorationen, folgten wir den jungen Männern, die mit einer Selbstverständlichkeit nur in einen Wickelrock bekleidet, stolz und liebenswürdig lächelnd uns den Weg zeigend unser Gepäck schleppten. Die sehnigen Körper trugen  alle Gepäckstücke ohne auch nur den Ansatz von Schweiß zu zeigen. Ich triefte nur so und war total durchgeschwitzt, nur vom hinterherlaufen und die Beiden schwebten lautlos, barfüßig mit dem Gepäck vor uns her. Im Zimmer angekommen, stellten sie unsere Sachen ab, verbeugten sich lächelnd, die Hände vor der Brust gefaltet und verließen den Raum rückwärts. Ob es die Hitze war, die Übermüdung der langen Reise , oder der beeindruckende Empfang,  stumm wie die Fische starrten wir uns an und brachen in ein herzhaftes Lachen aus. So was hatte ich zumindest noch nicht erlebt, obwohl ich wirklich in Europa schon in einigen Hotels Quartier nehmen musste, sei es aus beruflichen oder privaten Gründen. Man kam sich hier vor wie ein Großmogul. Aber jetzt erstmal Klamotten runter, Koffer auspacken , einräumen und dann……. duschen. Das einzige was noch zählte duschen, duschen, duschen. Ausgiebig, kalt, kalt??? Heißes Wasser kam aus der Brause, obwohl es kein heißes Wasser gab!! Wuffi erklärte es mir. Auf dem Dach des Hotels befanden sich Zisternen, die das Wasser für Dusche und Bad im allgemeinen auffing, sich durch die Sonne aufheizte und erst nach einigen Minuten kühler wurde. Na Gott sei Dank. Erfrischt, die Müdigkeit war wie weggeblasen, erleben, schauen, trinken, erkunden das war meine Devise. Wuffi wollte pennen, ich nicht. So machte ich mich auf den ersten Erkundungsgang, mache ich immer um mir den Weg einzuprägen. Verlaufen wollte ich mich ja nicht. Die Hotelanlage , ein wahrer Garten Eden, Überall plätscherten kleine Wasserläufe von  Katarakten unterbrochen, mit Brücken, einladenden Sitzmöbeln und landesüblichen Dekorationen. Palmen spendeten Schatten, Im Hintergrund war auf dem Weg durchs Gelände immer ein unterbrochenes Rauschen zu hören, der indische Ozean. Vor einer Swimmingpoollandschaft machte ich halt. Vor mir dieser Pool, riesig in seinen Ausmaßen, umsäumt mit Hibiskus- und Boaugainvillabüschen in leuchtenden Farben und dahinter das Meer, grünblau, mit einer Brandung, einfach traumhaft. Zwischen  Pool und Meer ein fast weißer Sandstrand, nicht sehr breit, aber er gehörte zum Hotel und deshalb fast menschenleer. Einige typische Fischerboote, Katamarane , lagen dort und einige Kinder spielten zwischen den Booten. Eine Idylle, ein Paradies, ein Traum. Ein  kleines Holzgitter trennte den Gartenbereich vom Strand, Latschen aus und erstmalig den Sand Ceylons betreten, welch ein Gefühl. Endlich, endlich hier. Mein großer Traum hatte sich nach so langer Zeit erfüllt. Obwohl alles unwirklich, erschien, fühlte ich mich nicht fremd, eher so, als würde ich mich an etwas erinnern, was in meiner tiefsten Seele verborgen war, Heimat, zu Hause ? In kaum einer Minute war ich umringt von mehreren Frauen, behängt mit Taschen, Klamotten und Ketten aus Muscheln etc. Die wieder loszuwerden, ein schier unmögliches Unterfangen……..Da stand er vor mir, braune Pfirsichhaut, tiefschwarze strubbelige Haare, bekleidet mit einer viel zu großen Shorts, dünne Beinchen und Arme, schmuddelig, nein nicht schmutzig, eben so wie Kinder sein müssen, schmuddelig vom spielen. Aber dann……. der Augenaufschlag, unvergesslich, überlange Wimpern, tiefbraune große Augen, ein ernsthaftes Lächeln, wissend, bittend, schelmisch, kindlich erwachsen . Klingt paradox, aber anders kann ich ihn nicht beschreiben. Dieser Knirps verscheuchte mit hoher Stimme in sighalesisch die Frauen. In einer Hand die hässlichste Abart eines Affen, geschnitzt aus einer Kokosnuß, die andere Hand auf dem Rücken verborgen. „You want ? Cheap price“ Ich konnte den Jungen nur ansehen, schelmisch grinsend, ca. 10 bis 12 Jahre alt, „ 100 Rupies, cheap price“ , dieser Augenaufschlag, „ for medicin „  Man hört ja so viel, Medicin, ha, sicher Drogen, „ für was brauchst du denn Medicin fragte ich in meinem nicht sehr guten Englisch. Zögernd zog er die Hand hinter seinem Rücken hervor, bei dem Anblick der sich mir bot, bekam ich eine Gänsehaut. Das Gelenk , dick geschwollen, umwickelt mit einem vor Eiter, Blut und Dreck starrendem Lappen, Ich war der Meinung das ist ein Fall für den Doktor, aber er lehnte kategorisch ab,“ nehe doctor is expensive money nehe“. Was tut man in solchen Situationen? „Bleib hier , ich komme gleich wieder !!!“ Ich  habe immer Verbandszeug mit auf Reisen. Aber etwas zum desinfizieren???? Na ich lief zurück, in Gedanken an  eine Blutvergiftung erst mal zur Rezeption. Radebrechte mein Anliegen der lächelnden Sheeranee , der Gesichtsausdruck wurde etwas fragend, unverständlich.  Mit Händen und Füssen versuchte ich ihr die Situation zu erklären, freundliches Lächeln und der Hinweis,“ its a Beachboy , he will help himself.“ „ Nee, so nun auch wieder nicht. Ich bedankte mich, rannte in unser Zimmer, holte den Verbandskasten, natürlich ohne Desinfektor! Gedankenblitz… Alkohol Wir hatten uns jeder einen Liter Schnaps gekauft, Wuffi seinen Whiskey und ich Gin. Buddel unter den Arm und wieder zurück zum Strand. Der Kleine, der seines Augenaufschlags und der Wimpern wegen schon einen Namen in meinem Kopf hinterlassen hatte , saß geduldig an der Stelle an der ich ihn zurückgelassen hatte schaute mich verwundert an verzog das Gesicht ängstlich und harrte der Dinge die auf ihn zukamen. Ich bedeutete ihm mir seinen Arm hinzuhalten. So vorsichtig wie möglich entfernte ich den Drecklappen, der schon anfing in die Wunde einzuwachsen, Es muss  höllisch weh getan haben, denn seine Augen wurden wässerig. Sonst verzog er bei der Prozedur keine Mine. Nachdem  der verkrustete Verband entfernt war, reinigte ich die Ränder er Wunde, die durch viel Glück nicht die Pulsader getroffen hatte mit Gin, ja, mit Gin. Es hat sicher fürchterlich gebrannt, aber Marilyn, so hatte ich ihn getauft, warum sollte dem geneigten Leser bekannt sein, diese Augen, verzog keine Mine, schaute nur gespannt auf mein Handeln und lächelte etwas verkrampft. Man soll es nicht für möglich halten, nach der Reinigung sah die Wunde frisch und bereit zum verbinden aus, ein hoch auf Hochprozentiges!!!  Wundsalbe , kühlend und ein schneeweißer Verband ließen sein Gesicht strahlen. Der zu verkaufende Kokosaffe war vergessen. Kein Betteln, kein Bitten um Rupien oder Toffees mehr.  Da die Hotelstrände  von Polizisten und hoteleigenem Wachpersonal kontrolliert wurden, Einheimische die Anlage nicht oder nur heimlich betreten durften, hielt er auch zum Zaun der Anlage Abstand, machte mir mit Gesten verständlich wieder zu kommen und mit einem wunderschönen Lächeln, dem für ihn unverkennbaren Augenaufschlag rannte er davon den Arm wie eine Fahne hochhaltend. Man hat auf Sri Lanka überall Augen und als ich den Rückweg antrat, wurde ich aus tausend dieser Augen lächelnd und anscheinend auch wohlwollend beobachtet. Nun brauchte ich erst einmal selber etwas zum lindern und zwar etwas hochprozentiges für mein leibliches Wohl. In der Bar nahm ich dann meinen ersten Arrack mit Bier, man hatte es mir empfohlen. Bei der Wärme ein gefährliches Unterfangen , bekam mir aber gut und etwas beduselt aber irgendwie glücklich und zufrieden kam ich in unsre Bleibe  zurück, von Wuffi etwas erstaunt angeblickt. Ich erzählte ihm von meiner Begegnung mit Marilyn und der ersten Hilfe. Na den wirst du nicht mehr los meinte er und grinste.  Recht hatte er, am nächsten Morgen, nach dem Frühstück wollten wir eine kleine Shoppingtour unternehmen und als wir nach dem Frühstück das Hotel verließen, wer saß davor mit strahlenden  Augen…….. Marilyn.  Er folgte uns auf Schritt und Tritt, hielt uns die bettelnden Leute auf Abstand und war sehr hilfreich bei allen unseren Einkäufen, ein richtiger kleiner Berater. Wehe es versuchte uns jemand zu übervorteilen, Marilyn hatte seine Augen und Ohren überall. Für einige Tage war er unser ständiger Begleiter. Abends verabschiedete er sich, bekam natürlich den Verband erneuert und auch einige Rupien und morgens wenn wir zum Strand gingen oder in den Ort wollten, war er da. Sein Gelenk verheilte prima!!

Als wir aber von unserer großen Rundreise zurückkamen war er verschwunden. Erst einige Jahre später traf ich ihn auf einer meiner Soloreisen  wieder, immer noch der gleiche Augenaufschlag, aber mittlerweile verheiratet und stolzer Vater.  Er bleibt mir aber unvergesslich !

Übrigens war sein richtiger Name Lalith. 

Der Zug

27. Februar 2008

Unsere Träger verstauten das Gepäck in unserem Abteil, erhielten, wie mir schien viel zu wenig dafür und verließen uns mit Verbeugen, zusammengelegten Händen und dem obligatorischen Wackeln ihrer Köpfe. Da Wolfgang ja der Sparsame, wenn nicht sogar Geizige war, gerade wenn es um Kleinigkeiten ging, hatte ich die Fahrkarten beschafft - ich, als Neueinsteiger und Unwissender, fügte mich seinen Wünschen und stieg in dieses Vehikel aus der englischen Kolonialzeit. Was nicht heißen soll, dass alle Züge, bzw. Klassen, es gibt vier davon, gleich erscheinen. Es gibt da die Aussichtszüge mit Panoramascheiben und  Service, Polsterabteile, und die Holzkistenabteile. Nur die WC ’s sind überall gleich verdreckt. Einen schmeichelhafteren Ausdruck gibt es nicht!!
Na ja, wir waren in einem Abteil aus Holzbänken, die man aber so drehen konnte, dass man die Aussicht besser genießen konnte und der Wagen hatte eine Aircondition. Bevor sich der Zug in Bewegung setzte wurde es laut, nicht vom Zuggeräusch, sondern von der Klimaanlage. Klappern, quietschen und Klopfgeräusche waren mit dem Einschalten verbunden. So lange der Zug stand war die Hitze fast unerträglich, nun aber, wir waren kaum fünf Minuten am fahren, überzog sich mein Körper mit einer Gänsehaut, denn es wurde urplötzlich eiskalt in unserem Abteil. Zuerst sehr angenehm, aber im Laufe der Fahrt froren wir wie die Schneider. Außerdem waren die Geleise derart ausgelatscht, dass es ein Wunder war, nicht seekrank geworden zu sein, so schaukelte dieses Ding.
Alle zwei Minuten kamen dann noch irgendwelche Männer und Frauen durch die Waggons und hielten laut schreiend irgendwelche Erfrischungen und undefinierbare Esswaren feil. Ein Ausruf dieser Verkäufer war, ich werde es immer in Erinnerung behalten - Caju, Caju, Caju:  Nüsse, Nüsse, Nüsse. Die Händler kamen immer und immer wieder, gehend, kriechend, immer abwartend und schreiend. Wolfgang hielt mich davon ab etwas zu kaufen, denn, so seine Weisheit, wenn du etwas erwirbst, wirst du die nie wieder los. Dabei wollte ich den armen Menschen, die davon lebten, nur etwas gutes tun. Die Fahrt wollte kein Ende nehmen. Von drehbaren Sitzen aus hatte man einen grandiosen Ausblick, über ärmliche Behausungen, Müllberge, undefinierbare Gärten, die zum größten Teil aussehen wie bei uns überwucherte, ungenutzte Schrebergärten. Urplötzlich veränderte sich das Landschaftsbild. Zwischen Wolkenkratzern und modernen Geschäftsgebäuden  hindurch, ratterte der Zug in das Zentrum  und den Bahnhof von Colombo. War der Waggon  bislang überschaubar besetzt, wurde es jetzt binnen weniger Minuten unglaublich voll. Kaum zu glauben, was so ein Zugabteil für Platz hat. Mit Kind und Kegel, und vor allem Gepäck in jeder Form, von in Palmenblätter gewickelten Thunfischen, Pappkartons bis zu Hühnerkäfigen, drängelten sich die Passagiere in den Wagen. Wie gut dass wir unsere Plätze hatten. Ha, unsere Plätze??? Weit gefehlt. Mit freundlichem Lächeln, etwas drängeln und schubsen war auf der Zweiersitzbank doch Platz für fünf Mitreisende. Die Geräuschkulisse war unglaublich. Die Geruchsbildung ebenfalls. Nicht unangenehm, aber doch sehr exotisch.
Endlich, nach schier endlos scheinender Zeit setzte sich der Zug in Bewegung. Erst noch vorbei an total unterschiedlichen Gebäuden, dann, die Häuser wurden immer kleiner und kleiner, bis sie zu Holzhütten mutierten, das Meer. Zweimal Meer, einmal in Form von Palmen, Palmen und wieder Palmen, dann der indische Ozean, es kribbelt einen bei dem Anblick überall. Einfach grandios. Die Brandung, ja, ja, wir fuhren teilweise so dicht am Ufer vorbei, dass die Brecher der Brandung neben uns zu verlaufen schienen.  So schaukelte dieses Verkehrsmittel aus der englischen Kolonialzeit uns dem Ziel entgegen, sechs Stunden lang. Vorbei an wunderschönen Villen, einfachen Hütten, durch riesige Palmenhaine und  immer wieder entlang der Küste. Ortschaften mit  fremdländischen Namen wie Kalutara, Bentota, Ambalangoda durchfuhren wir, oder hielten kurz, um Passagiere aufzunehmen, oder aussteigen zu lassen.
Irgendwann kamen wir an unserem Ziel an. Hikkaduwa, Touristenzentrum an der Südostküste. Als wir aus dem Zug stiegen, hier mussten wir ja unser Gepäck noch selber tragen, waren wir in wenigen Augenblicken  wieder platternass, die schwüle Hitze war immens.  Da standen wir nun auf dem Bahnhofsvorplatz und warteten mit dem Gepäck auf einen Bekannten von Wuffi, namens Tilakkasiri. Umringt von den vom Flughafen schon bekannten  berockten Männern. Die es wohl unverständlich fanden , dass solche blassgesichtigen Menschen sich nicht helfen lassen wollten. Irgendwann aber kam der o.g. Tilakka in einem Vehikel auf drei  Rädern, TucTuc genannt. Lachend sprang er heraus, mit einem Gebiss, das jeder Zahnpastawerbung  Ehre gemacht hätte. Er begrüßte uns sehr freundlich und fing sofort an, unser Gepäck in diese Knutschkugel zu bugsieren. Na wie er dass wohl alles unterbringen will, dachte ich so bei mir. Aber, wie ich später merken sollte, es geht alles, auch wenn es nicht geht.
Diese TucTucs oder Threewheels  sind mehr als Motorroller mit Dach denn als Taxi zu bezeichnen. Vorne sitzt der Fahrer und auf der Rückbank ist entweder Platz für drei Singhalesen, oder höchstens zwei Europäern. Meint man, aber es ist fast unvorstellbar, wir gingen alle drei inklusive Gepäck hinein. Zwar mit quetschen und fast aufeinander sitzen, aber es ging, wie eben alles geht, mit Ruhe und Gleichmut. Mit Geknatter und Gehupe düsten wir dann zu unsrem Domizil.

Dem Blue Coral.  

Ein Jahr später

4. Februar 2008

……….. ein Jahr, ein Jahr hat es gedauert, aber nun ist es endlich soweit !!!!  Der Flug ist gebucht, das Hotel reserviert.

BLUE CORAL - direkt am Indischen Ozean – Asien - Sri Lanka - ich komme!

Nach den Ausführungen Wolfgangs, ihr wisst, dem „Penner“ mit dem Pappkoffer…. - wenn er dies lesen könnte, würde er mich mutmaßlich umbringen, muss es einfach ein Traumurlaub werden. Für mich ist es klar, so schnell wie möglich losfahren. Es war ja noch eine ziemliche Anreise. Erst mit dem Zug nach Hamburg - umsteigen. Dann weiter nach Frankfurt. Ich weiß gar nicht mehr genau  wann der Flieger geht. Singapore Airlines, hört sich ja schon sehr exotisch an. Da ich immer der schnelle bin, würde ich überall mindestens fünf Stunden zu früh sein. Leider ist es ja von den Fahr- und Flugplänen abhängig und …… von Wolfgang, der ja mitreist und der, der hat die Ruhe weg. Am liebsten auf den letzten Drücker. So etwas macht mich wahnsinnig. Ihn zu überreden, eher am Bahnhof und eher am Flughafen zu sein ist entweder überhaupt nicht möglich, da dies ja mit Ausgaben verbunden wäre. Noch ein Käffchen hier und ein Sandwich da. Oh je, das geht ja überhaupt nicht - kost doch Geld.  Also heißt es Geduld, Geduld, Geduld. Sein Gepäck, was auch auf den letzten Moment  gepackt und gewogen wurde hatte, wie kann es anders sein, die Gewichtsgrenze der Bestimmungen  um ein vieles überschritten. Meine Bedenken schubste er mit dem Hinweis beiseite: „Stell dich nicht so an, immerhin sind wir zu zweit.“ Fällt nicht auf, du nimmst von mir was ab und ich von dir wenn meins durch ist, dann merkt es keiner - Schwitz. Der Pappkoffer des letzten Jahres war natürlich wieder mit von der Partie. Die obligatorischen Einkaufstüten ebenfalls. Wie im letzten Jahr - genau so!!! Ach nein, er hatte sich eine neue Videokamera gegönnt. Ich hatte mir eine von meinem Chef geliehen. Irgendwann war das Hickhack ums Gepäck geklärt, alles verstaut und der Termin der Abreise gekommen. Natürlich musste ich ihm auf dem Weg zum Flughafen tragen helfen, wie kann es auch anders sein. Frankfurt. Check in, genau wie er es gesagt hatte musste ich mit meinem und einem Teil seines Handgepäcks, dass ich nicht lache, das wog genauso viel wie mein ganzes Gepäck etwas zurückbleiben. Frech wie Oskar stellte er seine Sachen auf die Waage, die Tickets wurden angeschnallt, durch war er. Gott sei Dank ging ’s bei mir ebenso reibungslos. Bordkarten, Sitzplätze, alles war okay und Handgepäck hatten wir im Überfluss. Wenn jemand auf die Idee gekommen wäre dies noch mal zu wiegen…… oh je. Im Flugzeug, einer Boeing 707, schick, alles vom Feinsten. Wir verstauten die schrecklichen Tüten und die eigentlichen Handgepäckstücke in den dafür vorgesehenen Klappfächern über unseren Sitzen und natürlich in den Nebenfächern denn unsere bekamen wir kaum geschlossen. Egal, wir waren drin!!! Mit knurrendem Magen und Riesendurst, denn wie schon gesagt, zwischendurch mal ein Snack… - unmöglich, kostet  Geld. Die Verpflegung und der Service an Bord gingen aber nach dem Start sofort los - und wie. Da können  sich aber viele andere  Luftlinien eine Scheibe abschneiden. Gut ich bin noch nie Langstrecke geflogen, aber was hier geboten wurde, einfach der Hammer.  Essen vom feinsten, Getränke, nur das Beste und kostenfrei. Der Service nahm kein Ende. Nach einem Zwischenstopp in Bahrein wurde es ruhiger, da hatten der Wuffi und ich aber auch schon einen im Tee. Jaaa - Wuffi auch, kost doch nix. An schlafen war sowieso nicht zu denken, denn es waren Kleinkinder an Bord und der Geräuschpegel…. - wie es nun mal ist mit Kindern. Außerdem stiegen in Bahrain auch noch Singhalesen zu - warum, dazu komme ich noch und die schnatterten wie eine Gänseherde, ohne Unterlass. Was ich noch faszinierender fand, die hatten Handgepäck, dagegen war Wolfgangs nur ein winziges Kilolein zuviel. Die Frauen und Männer verstauten es einfach unter ihrem Sitz, zwischen ihren Beinen, wo auch nur ein Fitzelchen Platz war, wurde gestopft und gedrückt. Aber, es wurde alles verstaut.Auf der zweiten Etappe wurde es etwas ruhiger, aber an schlafen war trotzdem nicht zu denken. So wurden mir von Wuffi noch einige Tipps und Verhaltensregeln gegeben, wie ich nach der Landung verfahren sollte. Zwischendurch immer mal wieder ein Campari-Orange, keine Ahnung der wievielte und dann…… ja , dann wurde es draußen orange, die Sonne ging auf. Plötzlich bekam ich einen Knuff, „ Los schnell ins Klo“ raunte Wolfgang mir zu. Mit etwas steifen Beinen begaben wir uns in die Bordtoilette, gerade noch rechtzeitig, denn als wir uns erfrischt hatten und das Örtchen verließen, hatte sich schon eine Anzahl anderer Fluggäste davor postiert, sicher mit der gleichen Absicht. Bei unserem Besuch war noch alles sauber und frisch, ich möchte nicht wissen wie es eine halbe Stunde später dort aussah. Kaum wieder auf unseren Sitzen, kam  der Trolli mit dem Frühstück. Danach ging alles ziemlich schnell, Durchsage der Bordcrew, wir werden in wenigen Augenblicken in Colombo  landen, bitte anschnallen, das Rauchen einstellen, die Sitze hochklappen, etc. Ein Blick aus dem Fenster: Unter uns dunkelblaues Wasser, Wellen mit weißen Köpfen selbst aus dieser Höhe sichtbar. Ja und dann, ein weißer Streifen voraus, dahinter ein tiefes Grün soweit das Auge blicken konnte, grün , grün und noch mal grün. In rasantem Tempo kam dieses grün näher, entpuppte sich zu Palmen, Palmen und wieder Palmen. Rumps, wackel, schüttel, klapper, infernalisches Gedröhne, wir waren gelandet. Palmen rasten vorbei, Die Luft im Flugzeug veränderte sich, roch etwas schweißig, undefinierbar, aber anders als noch vor einigen Minuten. Wir kamen nach einer mir unendlich scheinenden Zeit zum stehen. Der Blick aus dem Fenster war enttäuschend, grauer Asphalt. Ein altes langgestrecktes Gebäude, ein auf verrosteten Eisenträgern stehendes  Wasserbecken. Die Turbinen verstummten vollständig. Nun ging es los, Geschiebe - Gedrängel. Die Leute taten gerade so, als müssten sie den nächsten Bus bekommen.  Mein Wuffi schaute gleichmütig dem Trubel zu und blieb sitzen. „Lass bloß das Volk erst mal raus“ Ich war aufgeregt - wollte raus - frische Luft - schauen. „Sachte, sachte, lass dir Zeit sonst bist du gleich klitschenass, ich kann die Drängelei nicht ab!„ Ich gab nach, aber dann konnten auch wir unser Handgepäck nehmen, ohne angerempelt zu werden und gingen in Richtung Ausgang. Die Stewardess lächelte wissend, verabschiedete sich liebenswürdig, der Kapitän ebenso und dann bekam ich einen Schlag. Aus dem vollklimatisierten Flieger, ca. 20° kamen  wir in 35° Hitze, die mir den Atem nahm. Aber nicht nur die Wärme, auch der Duft oder Geruch, nennt es wie ihr wollt, einfach umwerfend. Ein Geruchssinn schafft es nicht die verschiedenen Stoffe auseinander zu halten. Nur Kerosin, gepaart mit Zimt, Brennholz, Moschus, Frangipani und dies sind nur einige wenige der vielen Düfte.Nachdem ich festen Boden unter den Füßen hatte, merkte ich schon, dass mein T-Shirt, auf Anraten meines besten Freundes im Flugzeug noch gewechselt, feucht war.  Egal - da es keine Shuttles gab, wanderten wir zu Fuß zur Ankunftshalle, die vollklimatisiert war, das soll heißen: schweinekalt! Das Gewusel innerhalb der Halle und an den Gepäckbändern war unbeschreiblich. Dazwischen kleine braune Männchen in Röcken, die wenn sie mit anderen sprachen dermaßen mit dem Kopf wackelten, dass man jeden Augenblick mit Genickbruch rechnete. Auch vor uns standen innerhalb von Sekunden zehn dieser „Wackeldackel“ mit strahlenden Augen, lachenden zahnlosen  Mündern und wollten sich auf unser  Handgepäck stürzen. Nach Wolfgangs energischem “NO not now !!!„ - so laut hatte ich ihn noch nie reden gehört, lächelten diese Trolle weiter, ließen uns etwas Platz, machten aber nicht die geringsten Anstalten zu gehen. Bis zur Zollkontrolle blieben sie als Eskorte, waren plötzlich verschwunden und, als wir nach einer Stunde Formalitäten erledigen, endlich unsere Stempel im Pass hatten und mit sämtlichem Gepäck in der Empfangshalle standen, waren sie alle wieder da. Lächelnd, zahnlos und Kopfwackelnd. Wuffi  suchte zwei dieser Männchen aus erklärte ihnen per Hand und Kopfzeichen sowie einigen Wörtern englisch, dass wir zum Bahnhof müssten. Verstärktes Kopfwackeln und los ging es. Ein Gefühl wie zur englischen Kolonialzeit, sie schleppten unser ganzes Gepäck und wir liefen hinterher wie bornierte Landadelige. Nach der Eishalle bekam ich den nächsten Hitzeschwall zu spüren, mein leicht angetrocknetes kühles Hemd war in kürzester Zeit vollends durchgeschwitzt und am Zug angekommen, pladdernass.  

Wie alles anfing

3. Dezember 2007

Oh Gott, wie sieht er denn aus? Gedacht habe ich es, nur gedacht! Ich würde doch nie laut sagen, dass mein bester Freund wie ein Penner auf Asienreise geht. Als Beamter im mittleren Dienst auch noch.

Leicht provokanter Blick, die Haare wie Struwwelpeter, einen Anzug aus dem Müllsack am Körper, die passenden Schuhe dazu, Form Schnabel, vierziger Jahre, wir schrieben das Jahr 1976,  sicher auch aus dem Keller, in dem sie Jahre der Einsamkeit zugebracht hatten. So stand er vor  meiner Haustür. ” Wir haben noch Zeit, moin erstmal, hast ‘nen Kaffee fertig ?? ” “Sicher, komm rein.” Es fehlte nur noch dass er nach Mottenkugeln gestunken hätte, als er an mir vorbei die Wohnung betrat. ” Wo haste denn dein Gepäck?” “Noch im Auto, haben ja noch viel Zeit, erstmal ‘n Kaffee und ‘ne Zigarette.” Wie schon so häufig, wenn es um seinen Urlaub ging, musste man ihm die Würmer einzeln aus der Nase ziehen.
“Wann geht der Dampfer? Haste denn gleich ‘ne Zugverbindung in Korsör? Wann geht der Flieger? Mit wem fliegste denn überhaupt?” Schleppende Antworten, dann aber nur kurz und bündig, “Um sechs. Ja. Mit Sterling.” ” Möchtest du noch essen?” “Nö, krieg alles an Bord.” “Willst du dich noch umziehen, bevor du losfährst ?” “Nein, mach ich im Flieger, ist aber warm bei dir. Man, kannste nicht die Heizung drosseln, kostet doch soviel Oel!” “Wolfgang wir haben Minusgrade und es ist gerade mal 22° hier.” “Na ich muss was ausziehen sonst ersticke ich.” Erst fiel die ominöse Jacke auf, Nadelstreifen in beige, mit riesigen Reverts. Darunter kam ein blauer Pullover zum Vorschein. “Den zieh’ ich auch besser solange aus. Man ist dat ‘ne Hitze hier.” Der nächste Pullover kam zum Vorschein, diesmal in grün, ein böses giftiges Grün. Danach noch ein grüner, aber etwas dünner und diesmal in Tanne. ” Sag mal hast du keinen Mantel mit?” “Doch, den hab ich noch im Auto, den musst du mir, wenn du mich wieder abholst aber mitbringen.” “Warum hast du den denn nicht angezogen, anstatt der Pullover,” lautete meine Frage.” Die bekam ich nicht mehr in den Koffer und mein Handgepäck ist auch schon voll.” “Kannst du mir mal verraten, warum du überhaupt diese Dinger mitschleppst?”
Ich muss dazu sagen, dass ich es gelernt habe, farblich aufeinander abgestimmte Sachen zu tragen, ich war nämlich im Textileinzelhandel tätig und außerdem versuchte ich den neusten Trend mitzumachen, also immer modisch gekleidet zu sein. Wolfgang hatte noch nie Geschmack gehabt, was die Zusamenstellung seiner Kleidung betraf, aber was hier heute an den Tag kam, war einfach nur grauslig.
“Die Sachen tausche ich oder verschenke sie unten. Die können es gut gebrauchen und ausserdem bringt’s noch ein paar Zigaretten.” Na dann, dachte ich!

Als es an der Zeit war aufzubrechen, plünnte er sich wieder an, gab mir seinen Auto-und Hausschlüssel und wir fuhren zum Hafen. “Vergiss bloss nicht den Mantel mitzubringen wenn du mich abholst!” “Werde ich schon nicht, keine Angst.”

Als wir am Pier ankamen, den Wagen geparkt hatten,  ist ja in Kiel nicht so leicht mit den Parkplätzen und sein Gepäck aus dem Kofferraum hievten, glaubte ich es nicht. Nein, es konnte doch nicht möglich sein??
Der grosse Koffer, der als erster zum Vorschein kam, war aus Pappe, so wie die Flüchtlinge aus Pommern sie hatten, mit Hanfstricken zugebunden. Eine aus  Lederimitat bestehende Schultertasche, bei der oben der Reissverschluss nicht ganz geschlossen,  weil nicht genug Platz für die Utensilien darin war, und drei Einkaufstüten aus Plastik. Eine von C&A und zwei von Aldi. Sie waren aus Sicherheitsgründen auch mit einem Strick versehen und oben mit einem Holzknebel zum Tragen ausgestattet.
“Damit der Tütengriff nicht reißt,” war die lakonische Begündung. Nun konnte ich es nicht länger aushalten, ” Wuffi,” so war sein Spitz- oder Kosename, “Wuffi du siehst aus, wie ein Penner, richtig wie ein Obdachloser, so kann man doch nicht ins Flugzeug steigen und nach Asien reisen!!!” “Wieso, bleibt doch alles unten, kenn ich schon.” “Tu mir bloss einen Gefallen und geh drei Meter vor mir, wenn uns jemand sieht!”  “Stell dich nicht an, pack an und los geht’s.”
Der Koffer war wahnsinnig schwer, “Haste da ein Klavier drin?” “Nee, aber Dosen mit Süssmilch und Orangen, ausserdem noch Marmelade - bekommt man unten so schlecht” “Und? Hast du mal das Gewicht geprüft?” “Klar, der Koffer wiegt 37kg.” “Du darfst doch nur zwanzig Kilo haben?” “Ach das macht nichts, wenn die meckern, pack ich eben um, dann geht das mit ins Handgepäck.” Die Zuversicht meines Freundes und sein Optimismus waren schon fast bewundernswert. Ich dachte bei mir, nein, du könntest nicht so reisen.
Am Schiff mussten wir uns verabschieden.” Schreib ja schnellstens, ob du heil angekommen bist,” ermahnte ich ihn. “Jaja, wird gemacht, tschüss!” “Tschüss Wolfgang, gute Reise , einen schönen Urlaub und komm gesund wieder.” Eine kurze Umarmung, dann dackelte er, von hinten aussehend wie ein alter Mann, der alle seine Besitztümer immer mit sich herumschleppt, weil er kein zu Hause hat, durch die Halle zum Passagierschalter der Stenaline.

…vier Wochen später…

Kiel. Im Januar. Aussentempertur minus 14°. Gefühlte Temperatur minus 40°. Stenalineterminal. Eisiger Wind. Wolfgangs und meine besten Freunde,  Hanna und Rolf, wollten unbedingt mit, um den Asienfahrer abzuholen. Anders als heute, kamen derzeit die Fähren in der Nacht in Kiel an. Wir konnten innerhalb der Halle aber warten und von der Eiseskälte draußen war nichts zu merken. Nach einer wie es uns  vorkam endlosen Warterei,  kamen die Positionslampen des Schiffes in Sicht.
Nach einer geraumen Zeit und dem unvermeidlichen Anlegemanövers, kamen die ersten Passagiere von Bord. Dazwischen, klein im kurzärmeligen Hemd, mit Shorts und  Sandalen bekleidet, den Kriegskoffer in der einen,  etwas Undefinierbares in der anderen Hand, unser Wuffi. Strahlende Augen, braungebrannt  und von der Sonne ausgeblichenes Haar, stand er vor uns. Den Mantel hatte ich ja mit, aber keine lange Hose und auch kein Schuhwerk! Er hatte unsere Blicke wohl bemerkt. “Ich weiss , ich weiss , schweinekalt draussen,” war der erste Kommentar nach einer freudigen Begrüßung.
Er sah, nachdem er den pelzgefütterten Wildledermantel angezogen hatte, genauso skurill, wie bei der Abfahrt aus. Dicker Mantel, aber nackte Beine und Füße - barfuss in Zehentretern. Den Pappmachekoffer trug Rolf, seine Schultertasche ich und dieses undefinierbare bunte Ding trug er selbst. So eilten wir schnellstens ins Auto, hier fing er dann doch an zu klappern und meckerte über meine Vergesslichkeit der langen Hose wegen. Ich wusste ganz genau, er hatte nichts davon geschrieben, dass er halbnackt aus einem Land mit 35° plus in einen normalen Winter zurückkommen würde.
Zu Hause angekommen, gab’s einen Grog, eine heiße Dusche und ein kuscheliges Bett. Das Bett aber erst sehr, sehr viel später, denn es gab natürlich erstmal viel über den Flug, die Schiffsreise und die Verpflegung auf diesen Fortbewegungsmitteln zu erzählen, bevor der Kern, nämlich das strahlend schöne Land Sri Lanka, ehemals Ceylon, Topbrabane, Ceilan, Garten Eden in den Vordergrund trat und Wolfgang in einer Hymne aus Überschwang, Verzückung und Begeisterung von diesem Eiland zu berichten anfing. Meine Sinne nahmen alles dieses auf, versuchten es zu verarbeiten, aber Wuffi hatte recht wenn zwischendrin immer wieder der Satz fiel: “…. ihr könnt es euch einfach nicht vorstellen …..”

Nein, Vorstellen konnte ich es mir nur schwer, aber nur vorstellen???   Das wollte ich auch nicht. Nach seinen Erzählungen war er im Paradies gewesen und da wollte ich auch hin! Unbedingt! Auf Biegen und brechen!! Mit allen Mitteln! Ohne wenn und aber! Ich musste dahin, komme was da wolle!!!!

Sri Lanka……

2. Dezember 2007

…… Land, Insel die einen gefangen nimmt. Zwei Tage nach Ankunft bist Du dem Bann der Landschaften, der Menschen und derer Liebenswürdigkeit erlegen. Misstöne wie bettelnde Menschen, unzureichende Müllentsorgung oder stinkende Busse und LKW’s nimmst Du nur noch am Rande wahr und ergibst Dich in die gleichmütige, fast gleichgültig wirkende Ruhe, derer Du überall gewahr wirst.

Hier werden in der nächsten Zeit meine Erinnerungen auftauchen. Nach und nach, mit eben dieser beschriebenen Gleichmut. Hetzt mich nicht! Gut’ Ding braucht Weile. Wenn Ihr mögt, könnt Ihr ja auch mal einen Komentar hinzufügen und berichten, wie es Euch dort, oder auch woanders im Urlaub ergangen ist.

Viel Spaß dabei Euer
Jochen